IPOMEX & Defense Expo – Marktplatz für Krieg und Repression in Münster

Die Stadt Münster und damit natürlich auch die Oberen aus Politik und Wirtschaft, schmücken sich ja gerne mit dem Prädikat „Friedensstadt“. Für die Außenstehenden sei bemerkt, dass sich diese Wertung natürlich nicht auf den 1. oder 2. Weltkrieg bezieht, sondern auf den Friedensschluss nach dem dreißigjährigen Krieg im Jahre 1648. Die Marketingabteilung der Stadt Münster geht sogar noch weiter und bürdet sich folgende Losung auf:

Die Stadt nutzt ihre Geschichte, um Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu übernehmen, wenn es darum geht, für die heutigen Krisenherde auf der Welt neue Instrumentarien und Verfahren zur Konfliktvermeidung, Konfliktlösung und Friedenssicherung zu entwickeln oder um einen Konsens durch Verhandlungen zu ringen.

Das ist natürlich erstmal eine tolle Formel und wer möchte nicht in einer Stadt wohnen, die engagiert ist in friedlichem Miteinander und globaler, gewaltfreier Konfliktlösung.

Defense Expo

Mit dieser Militärromantik wirbt die Defense Expo auf ihrer Webseite

Leider aber weichen die Tatsachen von dem schönen Werbegeschreibsel der Stadt ab und die Realität ist dann doch eher eine schallende Ohrfeige für antimilitaristisch eingestellte Menschen.  Als Beispiel sei hier nur die neue Führungsrolle des Deutsch-Niederländischen Korps genannt, die im Ernstfall den Russen zeigen soll wo der transatlantische Hammer hängt –  und zwar von Münster aus. Für einen tieferen Einblick über Militär und Krieg im Zusammenhang mit der Westfalenmetropole, kann beispielsweise dieser Reader von 2001 studiert werden.

Als neuster Streich richtet das „Messe und Congress Centrum Halle Münsterland“ (ein Tochterunternehmen der Stadt Münster) nun vom 14.4. bis zum 16.4. eine Doppelmesse aus. Hierbei handelt es sich um die IPOMEX und die „Defense Expo„. Bei erster handelt es sich um eine Polizeifachmesse auf der es neben Einsatzfahrzeugen, Bewaffnung und Ausrüstung auch über die neusten Strategien rund um Geheimdienste und Aufstandsbekämpfung geht. Spitz formuliert kann hier in Seelenruhe begutachtet, diskutiert, ausgetestet und bestellt werden, was zukünftig gegen soziale Bewegungen, Proteste und alles was sonst noch unliebsam ist, eingesetzt wird.

Widerlicher wird es auf der Defense Expo. Diese versteht sich laut Webseite nicht nur als „Fachmesse für neueste militärische Ausrüstungsgegenstände“ sondern beherbergt auch noch die NLSE-Conference, wobei es sich um eine Art Beschaffungs- und Koordinierungsmarktplatz handelt. Mit dabei ist logischerweise auch die Türkei, welche ja bekanntlicherweise (ich verzichte mal auf Links und Belege) einen immer dubioseren und undemokratischeren Weg einschlägt. Passenderweise hält der türkische Militärstratege Bulent Tudes auch gleich die Eröffnungsrede.

Auch die Ausstellerliste der Militärmesse bestätigen nach einiger Recherche das Bild dieser Veranstaltung. Vorneweg sei hier der global agierende Waffenhersteller FN Herstal genannt, der unter anderem dadurch heraussticht das er die Armeen in über 100 Ländern offiziell ausrüstet. Weiter Infos zu FN Herstal gibt es beispielsweise an dieser Stelle.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Durchführung solcher Messen durch die Stadt Münster schockierend und mehr als enttäuschend ist. Der geografische Ort ist prinzipiell natürlich nebensächlich, im Hinblick auf die markigen Worte der Stadtoberen ist so ein Marktplatz für Militärstrategen und Waffenhändler aber extra zynisch.

Die aktuelle Messe wird sich wohl kaum verhindern lassen, nicht zuletzt weil viele Menschen aus der Stadt und Umland – wenn überhaupt – erst in den letzten Tagen von diesem Treiben erfahren haben. Trotzdem gab es schon kreative Aktionen, beispielsweise eine Kunstaktion am Prinzipalmarkt, ein paar Meter vor dem Friedensaal. Sollte die Stadt Münster auch in den nächsten Jahren diese Veranstaltungen möglich machen, hoffe ich auf einen vielfältigen und breit organisierten Widerstand!

Ob in Münster oder anderswo: Wir brauchen keinen Marktplatz für Waffen, Repression und Militär! NATO auflösen! Und an diejenigen die in irgendeiner Art an dem Handel und der Produktion von Kriegsmaterial beteiligt sind: Durchdenkt eure Tätigkeit und die daraus resultierenden Folgen. Sucht euch eine sinnvolle Beschäftigung!

Edit: Ich habe den Artikel etwas überarbeitet und in der graswurzelrevolution 399 (April 2015)  veröffentlicht. Der Artikel ist aber auch online verfügbar.

 

Eine Antwort zu “IPOMEX & Defense Expo – Marktplatz für Krieg und Repression in Münster

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