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Karhunkierros: Trekking auf der Bärenrunde in Finnland

Schon vor knapp 15 Jahren viel mir die Bärenrunde als spannender Trekkingweg im Norden Finnlands ins Auge. Allerdings kam ich damals nie über die anfängliche Planungsphase heraus und der kleine Wanderführer verstaubte alsbald in meinem Regal. Als ich letztes Jahr dann kurzfristig Urlaub bekam, fiel mir der Weitwanderweg am Polarkreis wieder ein und nach den ersten Recherchen war klar dass es nun für mich erstmals nach Finnland gehen wird.

Flug von Helsinki nach Kuusamo

Flug von Helsinki nach Kuusamo

Ich hatte allerdings noch im Kopf, dass die Anreise bedauernswerterweise ziemlich kompliziert ist. Eine Autoanreise wäre für mich ohne Führerschein ja doch unnötig riskant 😉 und die Anreise per Zug dauert locker pro Weg zwei Tage plus Strecke vom nächstgelegenen Bahnhof bis zum Einstiegspunkt Bärenrunde. Also Flugzeug. Erfreulicherweise lag die Umstiegszeit in Helsinki auch nicht mehr bei 23 Stunden, wie vor einigen Jahren mal oberflächlich erkundschaftet, sondern bei gerade einmal 1,5 Stunden. Perfekt! Auch der Ticketpreis von rund 400 Euro für den gut 2000km weiten Flug von Düsseldorf via Helsinki bis Kuusamo finde ich für diese recht exotische Destination ok, auch wenn es natürlich bei ganz frühen Tickets günstigere Preise geben wird.

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Kuusamo Airport

Schließlich lief beim Flug auch alles rund und die Umsteigezeit in Helsinki ging Ratz-Fatz. Der Flugsteig zur Turboprop Maschine nach Kuusamo war nur spärlich besucht und letztlich saßen in der Maschine etwa 30 Leute, von denen vielleicht fünf bis zehn vom Äußeren in das Trekking-Raster fielen. Der Flug war dank weniger Wolken schon ein Erlebnis, hügelige Waldgebiete durchsetzt von unzähligen kleinen und großen Seen, scheinbar könnte sich problemlos jeder Mensch in Finnland ein Häuschen am See zulegen. Bei den nüchternen Fakten von rund 170.000 Seen ist dies tatsächlich gar nicht so weit hergeholt.

Das unspektakuläre "Starttor" am Hautajärvi Infozentrum

Das unspektakuläre „Starttor“ am Hautajärvi Infozentrum

Gut gelandet sind wir dann auf dem kleinsten Flughafen den ich bisher betreten durfte. Auf dem Kuusamo Airport landet in der Nebensaison (also im Sommer, wenn Skifahren und Co. nicht möglich ist) eine ganze Linienmaschine pro Tag. Trotzdem wird hierfür das Gepäckband angeworfen und eine gar nicht mal so kleine Anzahl an Personal ist vorhanden um die organisatorischen Aufgaben zu bewerkstelligen. Der Busanschluß vom Airport zu Bärenrunde ist übrigens genial. Nach dem Auflesen des Gepäcks geht es schnurstracks zum Park- und Vorplatz des Mini-Airports. Dort steht in der Regel nur ein Reise-Bus, nämlich der von der Busgesellschaft „Pohjolan Matka“ mit der Aufschrift Salla. Und nachdem beim Fahrer die Tickets erworben wurden ging es weiter in den Norden Finnlands.

Typische Kilometermarkierung

Typische Kilometermarkierung

Der Bus steuert ein paar Zwischenhalte an, wie etwa Ruka und Ristikalko (von hier aus kann die Bärenrunde übrigens auch, etwas abweichend begangen werden.) Nach rund 1,5 h traf der Bus bei leichten Nieselregen in Hautajärvi an. Hier befindet sich auch ein größeres Infozentrum und es kann Kartenmaterial und eine kleine Auswahl an Lebensmitteln eingekauft werden. Auch gibt es saubere Toiletten und eine Art Minikantine mit ein paar Getränken und Plunder-Teilchen, bzw. dem finnischen Pendant dazu. Also ein idealer Punkt um nochmal seinen Rucksack zu richten oder Wasser aufzufüllen. Meine klammheimlich Hoffnung dass sich der leichte Regen einstellte, wurde tatsächlich erfüllt und so ging es eine gute halbe Stunde nachdem der Bus eintraf los. Mit mir kamen übrigens noch etwa acht andere Wanderer an, die bedingt durch meine Trödelei, alle vor mir loszogen.

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Der Einstieg befindet sich direkt neben dem Infozentrum und ist durch ein großes Holztor gekennzeichnet. Nun geht es also los. Und, ich möchte euch eigentlich gar nicht kilometer- und häppchenweise vom Weg erzählen. Nur so viel, es wird bald schon recht einsam denn nach rund ein, zwei Kilometern überquert ihr nochmal eine Straße (vielmehr eine Schotterpiste) und dann seid ihr erstmal für knapp 30 Kilometer von der Zivilisation so wie ihr sie kennengelernt habt abgeschnitten.

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Einer der unzähligen Seen

Landschaftlich geht es in den nächsten 82 Kilometer vor allem durch dichte Nadelwälder, auf Holzbohlen über Moorlandschaften und viele, viele Kilometer neben Gewässern (dementsprechend müsst ihr euch auch keine Sorgen über die Wasserversorgung machen). Die Steigung ist dabei (bis auf das letzte Stück) recht moderat was gerade bei Leuten mit Knieproblemen einen sehr angenehmen Nebeneffekt hat. Landschaftlich muss ich auch sagen dass mir der Weg sehr viel besser gefallen hat, als er mir durch die Bilder im Web und im Wanderführer vermittelt wurde. Natürlich habe ich keinen „hässlichen“ Trampelpfad erwartet aber die Eindrücke die ich vorher gesammelt habe, haben die Erwartungen weit übertroffen.

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Doch nochmal zurück zur Einsamkeit: Beim Trekking ist es mir persönlich immer recht wichtig eine möglichst menschenleere Strecke zu gehen. Irgendwie empfinde ich mehr Erholung darin in der Abgeschiedenheit und der „wilden Natur“ alleine zu sein. Dementsprechend habe ich mir natürlich die Frage gestellt wie voll die Bärenrunde in der Nebensaison Anfang September sein wird. Bei der Recherche fand ich so ziemlich alles von „man sieht kaum jemanden“ bis hin zu „Streckenabschnitte gleichen einer Polonaise“. Glücklicherweise traf aber eher ersteres ein. Von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, traf ich maximal zehn Mensch pro Tag und das waren oftmals natürlich bekannte Gesichter, welche man schon von vorherigen Wegabschnitten „kannte“.

Auf der Bärenrunde übergeht man ein knappes dutzend Hängebrücken

Auf der Bärenrunde übergeht man ein knappes dutzend Hängebrücken

Die Hütten waren am Ende des Abends zwar recht gut belegt, aber im Notfall hätte man stets ein paar freie Plätze schaffen können. Generell ist das System der (Schutz-)Hütten und der Infrastruktur traumhaft. In einem Abstand von durchschnittlich etwa 5km finden sich Möglichkeiten auch ohne Zelt bei widrigem Wetter zu übernachten. Neben den großen unbewirtschaftete Holzhäusern welche mit Ofen und Gaskochstelle ausgestattet sind, gibt es „Laavus“ und „Kotas“.

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Nach vier Tagen dann endlich einem Rentier begegnet!

Laavus sind eine Art Bushaltestellenhäuschen, also kleine Holzbauten, die eine offene Seite haben, in denen man aber mit drei, vier Personen schlafen kann und vor Regen und Wind ziemlich sicher ist. Bei den Kotas handelt es sich um traditionelle, pyramidenartige Grill- Räucherhütten. Dementsprechend haben sie ein offenes Dach zum Rauchabzug. Vor Regen geschützt ist man trotzdem, allerdings müffeln die Kotas sehr nach Rauch. Von diesen Hütten sind auch nur recht wenige zu finden.

Eine Kota von innen

Eine Kota von innen

Alle Plätze wo es einer dieser Schutzmöglichkeiten gibt, haben eine Gemeinsamkeit. Denn überall gibt es eine Torftoilette sowie Feuerstelle und eine gut gefüllte Feuerholzhütte. Um das zerkleinern der Holzscheite müsst ihr euch natürlich selber kümmern, aber selbst dafür hat die Verwaltung des Nationalparks die „Raststätten“ mit Beil und Säge ausgestattet. Es ist wahrlich traumhaft wie hier von den Rangern die Infrastruktur an der Bärenrunde gewartet wird. Einmal konnte ich beobachten wie einen Morsche kleine Holzbrücke repariert wurde und ein weiteres Mal sah ich sie als in einer Hütte der Zustand der Koch-Gasflasche überprüft wurde. Wohlbemerkt geschieht all dies „kostenfrei“, den der Wanderer muss ja kein Eintritt für die Bärenrunde oder ähnliches zahlen.

Traumhafter Lagerplatz bei "Vennäänmutka"

Traumhafter Lagerplatz bei „Vennäänmutka“

Teuer kann es hingegen werden, wenn man nicht daran denkt genügend Lebensmittel für die Tour bei sich zu führen. Denn neben den Start und Endpunkten kann nur im Oulanka Besucherzentrum Proviant nachgekauft werden. Die Preise sind nochmal deutlich happiger als die eh schon hohen finnischen Lebenshaltungskosten dies vermuten lassen. So will man für eine einzelne Rolle Klopapier mal eben 2,50 € haben. Aber der erfahrene Trekker weiß ohnehin dass ein durchdachter Vorrat an Taschentüchern / Klopapier Gold wert ist…

Einfach wow...

Einfach wow…

Abschließend kann ich die Bärenrunde einfach jedem Outdoor- und Trekkingbegeistertem ausnahmslos empfehlen. Der Weg bietet vor allem in der Nebensaison einen weitgehend einsamen, sehr idyllischen Fernwanderweg mit unterschiedlichen Landschaftsformationen. Der Weg ist auch von der Schwierigkeit her sowohl für Einsteigerinnen als auch für gut konditionierte Menschen geeignet, da sich insbesondere bei Zeltmitnahme die Streckenabschnitte gut aufteilen lassen.

Auf den letzten Kilometern am Valtavaara sind ein paar Abschnitte "beseilt".

Auf den letzten Kilometern am Valtavaara sind ein paar Abschnitte „beseilt“.

Nahezu einmalig ist die extrem gute Infrastruktur, die dafür sorgt dass trotz der pittoresken Abgeschiedenheit Hütten, Feuerplätze mit Holzvorrat und darüber hinaus auch eine ausgezeichnete Markierung vorhanden ist. Und wer bei anderen längeren Wegen tagelang seine Notdurft hockend im Gebüsche verrichtet hat, wird die ausreichend vorhandenen Komposttoiletten als akzeptables Maß an Urbanität zu schätzen wissen.

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