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Trekking auf dem Wicklow Way in Irland

Nachdem ich schon im letzten Jahr meine Trekkingleidenschaft zurückentdeckte, fiel dieses Jahr (nach Cumbria Way und West Highland Way 2014) die Wahl auf Irland. Nach längerem Überlegen und mehreren Anläufen dann konkret auf den Wicklow Way. Insgesamt gibt es in Irland eine gute Handvoll Fernwanderwege die sicherlich alle ihr interessanten Seiten haben.

Der Wicklow Way hat einige Vorteile zu bieten, die sich schon bei der Recherche herausstellen. Zunächst ist der Weg gut angebunden, da er ja quasi in Dublin beginnt und sogar eine Buslinie direkt vom Airport zum Startpunkt fährt. Außerdem ist der Weg vorbildlich ausgeschildert, verläuft durch eine abwechslungsreiche Landschaft und ist auch nicht zu überlaufen.

Rund 8km nach Dublin

Rund 8km hinter Dublin

So ging es dann auch nach einem Überbrückungstag in Dublin los. Um auf alles vorbereitet zu sein schleppten wir die komplette Ausrüstung mit, was trotz vieler UltraLeicht Komponenten so um die 14kg pro Rücken waren, inklusive Wasser, Zelt, Isomatten, Schlafsack, Kocher, Haupt- und Nebenmahlzeiten für vier Tage und vieles mehr. Einiges hätten wir uns sparen können, da wir letztlich gar nicht wild gezeltet haben, aber nun gut man möchte ja als knallharter Abenteurer immer auf alles vorbereitet sein…

Blick auf Glendalough

Blick auf Glendalough

Der Weg beginnt am Stadtrand von Dublin im Marlay Park, was tatsächlich eine große klassische Parkanlage ist. Der Weg verläuft zunächst durch den Park, an Golfplätzen und einer Autobahn vorbei und geht dann steil auf einer kleineren Straße den ersten Berg hinauf. Süß: Dort hat uns ein Ire, den wir kurz am Anfang des Weges trafen, mit dem Auto gesucht da er sich fragte ob wir die richtige Wegabzweigung fanden. Denn hier, nach ca. 5km verlässt man endlich den Asphalt und biegt in ein Waldgebiet ein. Bald erreicht man eine schon sehr spektakuläre Passlandschaft zwischen Two Rock Mountain und Kilmashogue Mountain. Nachdem der höchste Punkt überschritten ist geht es Richtung Glencullen Valley. Leider auch hier wieder ein paar Kilometer auf einer Straße. Nachdem der Glencullen River nahe eines kleinen Siedlungsgebietes überquert wurde, ging es bald wieder auf Wald und Forstwegen weiter Richtung Knockree.

Brücke am Dargle River

Brücke am Dargle River

Das ideale Übernachtungsziel der ersten Etappe war und ist das Knockree Youth Hostel, das fast genau am Weg liegt. Hier auf jeden Fall im Vorfeld versuchen die „Honeymoon Suite“ zu buchen. Das ist zwar im Wesentlichen nur ein normales Zimmer mit Doppelbett, hat aber einen unglaublich atemberaubenden Ausblick in die Wicklow Mountains, siehe Foto. Das Zelten ist auf der ersten Etappe nicht nur nicht gestattet, bzw. verboten, sondern es findet sich darüber hinaus auch kaum eine gute Möglichkeit. Wir trafen am Ende der Etappe eine Wandergruppe die ziemlich genervt vonder Sucherei nach einem Platz war und schließlich quasi fast auf dem Weg ihre Zelte aufschlugen. Wir kamen ziemlich fertig und erschöpft im Hostel an und schlummerten auch alsbald dahin.

Aussicht auf der 3. Etappe

Aussicht auf der 3. Etappe

Die zweite Etappe gehört wie die erste, zu den anstrengendsten, da es viel auf und ab geht. Darüber hinaus wird der Weg noch um etwa 2-3 km verlängert, wenn man (mangels Alternativen) in Roundwood übernachten möchte. Zunächst läuft man aber an einer schönen Wiese am Glencree River entlang, quert diesen und geht aufwärts nach Ride Rock. Bald kommt man zu mehreren schönen Aussichtspunkten in Richtung Powerscourt Wasserfall, der mit 121 Metern der höchste in Irland ist. Man trifft in der Regel einige Leute die einen Ausflug und oder eine Tageswanderung machen. Bald geht es dann runter zum Dargle River und direkt wieder rauf. Bei der Brücke über den Dargle River befindet sich endlich eine hervorragende Zeltmöglichkeit, die einen schönen weichen Rasen als Untergrund hat und auch direkt am kleinen Fluss liegt. Der Weg führt nun immer weiter aufwärts, nahe dem Djouce Mountain. Dessen Gipfel kann mit einem kleinen Umweg auch überquert werden. Bleibt man auf dem Wicklow Way findet sich bald eine kleine Quelle bevor es (bei wunderschöner Fernsicht) nun auf aufgebockten Holzschwellen weitergeht. Dieser Boardwalk zieht sich bis White Hill. Hier findet sich der höchste Punkt des Wanderweges mit 635 Metern.

Lake Guiness

Lake Guiness

Kurz vor dem Abstieg gibt es einen tollen Ausblickspunkt auf Lough Tay, der von Einheimischen auch als „Guinness-See“ bezeichnet wird, da er sehr dunkles Wasser und eine Sandstrand-Seite hat. Der weitere Weg führt nun über Straße, einen sehr düsteren Waldweg (schon fast unheimlich) und letztlich auf einer Forststraße. Von dort aus gibt es zwei Möglichkeiten den Wicklow Way Richtung Ortskern des Städtchens Roundwood zu verlassen. Wir wählten einen Pfad den es im GPS System gab, welcher aber eher ein teils abgesperrter Privatweg war. Die Angst alsbald von einem bellenden Wachhund angefallen zu werden, erfüllte sich glücklicherweise nicht. In Roundwood selber gibt es u.a. mehrere Pubs, einen zentralen kleinen Supermarkt, eine Apotheke und einen empfehlenswerten Campingplatz. In Roundwood befindet sich auch ein Stützpunkt der Mountain Rescue. Außerdem hält in dem Ort auch der Bus welcher zweimal täglich von Glendalough nach Dublin (und retour) verkehrt. Unterm Stricht kriegt man in Roundwood wirklich alles, obwohl das Örtchen nicht wirklich groß ist. Man kann auch einen Pausentag einlegen. Jo, das haben wir dann auch gemacht, da die ersten beiden Tage mit jeweils +20km gut an uns gezehrt haben…

Kurz vor dem Djouce Mountain

Kurz vor dem Djouce Mountain

Nach dem Pausetag ging es mit der Etappe von Roundwood nach Glendalough weiter. Diese Etappe ist aufgrund weniger Strecke und Höhenunterschied einfacher als die letzten Beiden. Falls in Roundwood übernachtet wurde, muss allerdings zunächst wieder auf die Route des Wicklow Way zurückgegangen werden. Dann geht es über Straßen durch ein kleines Waldgebiet bis nach Oldbridge. Hier befindet sich tatsächlich eine knapp 200 Jahre alte Brücke über den River Inchavore.

Shelter zwischen Roundwood und Glendalough

Shelter zwischen Roundwood und Glendalough

Weiter geht es nun recht steil aufwärts und man biegt bei der Redwood Lodge rechts ab. Nun erreicht man zwei, drei Häuser wo freundliche Anwohner einen Wassertank für Wanderer aufgestellt haben. Zur Markierung befindet sich ein Schild „Water“ auf dem Weg, welches allerdings schon recht verwaschen ist. Aus dem befahrbaren Belag wird bald wieder Wanderweg und man trifft auf eine Schutzhütte, die Brusher Gap. Diese spendet Schutz gegen Regen und Wind. Es gibt auch eine Feuerstelle, Sitzmöglichkeiten und sogar einen Regenwassertank. Also kann hier auch prima übernachtet werden.

Ausblick aus dem Knockree Hostel

Ausblick aus dem Knockree Hostel

Der Weg geht nun wieder langsam abwärts und führt über Wiese, Heide und durch Wald. Schließlich überquert eine Holzbrücke den Glenmacross River und es schliesst sich bald der erste Ausblick über Glendalough an. Es geht nun steiler bergab durch den Wald und man kommt in Glendalough an. Hier gibt es ein größeres Hotel mit Pub und Restaurant und ein ebenfalls großes Youth Hostel.

Desöfteren konnte man scheue Rehe beobachten

Desöfteren konnte man Rehe beobachten

Vor dem Visitor Center fahren zweimal täglich Busse nach Dublin. Glendalough ist mit seiner sehenswerten Geschichte ein Touristen-Hotspot, das aber nicht ohne Grund, wie der Wanderer vor Ort schnell feststellen wird. Wir hatten auch auf dieser Etappe – wie fast im ganzen Urlaub und für Irland untypisch – feinstes sonniges Wetter. Nicht zu warm, hier und da ein Windhauch und sonnig. Unglaublich. Und so wurde natürlich auch der Regenponcho umsonst mitgeschleppt, was aber wohl gerne in Kauf genommen wird 😉

Boardwalk am höchsten Punkt des Weges

Boardwalk am höchsten Punkt des Weges

Wir haben uns in Glendalough entschieden den Wanderweg nur bis kurz vor Glenmalure zu gehen. Dies lag vor allem daran das sich das „wieder zurückkommen“ vom Wicklow Way nach Dublin nicht so ganz leicht gestaltet und außerdem haben wir in der Vorbereitung gelesen das die letzten zwei Etappen wirklich sehr viel auf der Straße gewandert werden. Aber erstmal der Reihe nach: Zunächst begibt man sich nämlich vom Hostel / Hotel Richtung Upper Lake. Diesen Weg teilt man voraussichtlich mit dutzenden Touristen, die zwischen den Seen hin- und herpendeln. Bevor es recht steil neben dem kleinen Poulanass Wasserfall bergauf geht, kann man sich am Wegesrand die Übersichtskarte mit Wanderwegen um Glendalough anschauen.

Blick Richtung Meer

Blick Richtung Meer

Anschließend geht es weiter beständig bergauf auf einer alten Militär-, bzw. Forststraße. Nach einem Waldgebiet erreicht man ungefähr bei halber Strecke den Borenacrow Pass. Hier bietet sich ein schöner Rundumblick und man kann zusätzlich die Berge Mullacor oder Lugduff besteigen. Alternativ kann auch der Wicklow Way verlassen werden, denn der rechts abbiegende, mit einem roten Pfeil markierte Weg führt einem wieder zurück nach Glendalough. Dies haben wir auch gemacht und wurden nochmal von einem wirklich spektakulären Blick über Glendalough belohnt. Dann ging es steil und konstant über Holzplanken zurück nach unten. Beim Visitors Zentrum fahren morgens und abends Busse nach Dublin. Diesen haben wir genommen, sind allerdings schon im Küstenstädtchen Bray ausgestiegen wo wir uns noch ein paar ruhige Tage gemacht haben bevor es wieder nach Dublin und dann nach Hause ging.

Nicht am Wicklow Way, trotzdem toll: Bray Coastline

Nicht am Wicklow Way, trotzdem toll: Bray Coastline

Fazit: Der Wicklow Way ist ein wirklich schöner Trekkingweg durch die bergige aber trotzdem Küstennahe Landschaft. Ich würde persönlich 4 von 5 Sternen geben. Die Landschaft und Ausblicke waren teilweise spektakulär und atemberaubender als gedacht. Allerdings gibt es ein paar Punkte die zu Bedenken sind. Erstmal geht es für einen Wanderweg über recht viele Straßen / Forstwege / Schotterpisten. Ein Umstand der mich von Tag zu Tag mehr genervt hat. Außerdem gibt es nur sehr wenige Möglichkeiten sein Zelt aufzuschlagen. Richtig einsam und abgeschieden ist der Weg auch nicht, da man ja ständig durch Dörfer, auf Straßen und mit anderen Leuten wandert. Zudem solltet ihr etwas Ausdauer und Übung mitbringen, da besonders die ersten Etappen mit rund 20km und viel Steigung nicht ohne sind. Ansonsten: Hin da!

Achja, einen Wikivoyage Eintrag (der diesem Bericht sehr ähnelt) habe ich angefangen. Diesen findet ihr mitsamt vielen Links hier!

2 Antworten zu “Trekking auf dem Wicklow Way in Irland

  1. Hallo Billstein,
    schöner Report. Bald gehe ich mit Jackie evtl. denselben Weg. Hoffentlich ist das Wetter gut.

    Liebe Grüße

    Albert

  2. Hallo! Du scheinst dich richtig gut auszukennen.
    Kannst du mir eine Mail schicken? Ich brauche dringend und zeitnah Hilfe da ich mit der Planung gerade ein Problem habe und es geht in Kürze los 🙁 falls du das liest wär ich dir total dankbar wenn du mir ein paar Fragen beantworten könntest ! LG sandra

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